von Ines B. Kasparek

Uhren sind keineswegs Männersache. Schon im grammatikalischen Sinn ist “die Uhr” definitiv weiblich. Die Zeit ebenso. Und blickt man zurück zum Ursprung, so spielten schmucke Zeitmesser für die weibliche Klientel schon immer eine große Rolle in der Uhrmacherkunst. Früher trugen die Damen der feinen Gesellschaft sogenannte Chatelaines (Gürtel) oder lange Halsketten mit grazilen Ührchen. Als Hommage an jene Epoche finden sich von Zeit zu Zeit sogenannte Pendants in den Kollektionen der Uhrenhersteller wieder.

Foto oben: Faszination Uhrmacherkunst… Kate Winslet bei Longines in Saint-Imier

Erstaunliche Premiere

Über 200 Jahre ist es her, dass A. L. Breguet die allererste Armbanduhr überhaupt konstruierte. Das Erstaunliche daran: Dieses Wunderwerk war keineswegs für einen Mann bestimmt, denn der hätte wohl redlich die Nase gerümpft – befanden wir uns doch mitten im Taschenuhrenzeitalter. Breguets Kreation war tatsächlich für eine Frau, und zwar für keine geringere als die Königin von Neapel. Caroline Murat, die Schwester von Napoleon Bonaparte, war offen für polarisierende Innovationen. Die Laune, eine Uhr am Handgelenk zu tragen, erlaubte man einer Königin natürlich, doch bestimmt mit einigem Kopfschütteln. Zu Ehren von Caroline Murat und ihrem genialen Firmengründer baut die Manufaktur Breguet heute wieder Jahr für Jahr eine „Reine de Naples“.

  

Stilikone anno 1807: Caroline Murat, mit ihrer Tochter Laetitia. Daneben eine dem Original nachempfundene “Reine de Naples” von Breguet.

© Brequet

Die größte Herausforderung bei der Fertigung von Damenuhren war stets, dass alles „en miniature“ sein musste. Zahlreiche Patente, Rekorde und Auszeichnungen traditionsreicher Manufakturen sind diesem Thema gewidmet. Große Uhren fanden sich an weiblichen Handgelenken erst in den 1990er Jahren und das auch nur, weil Trendsetterinnen damals ein Statement setzen wollten und einfach Herrenuhren trugen. „Boyfriend Look“ würde man heute dazu sagen. Die Uhrenindustrie reagierte auf diese Zielgruppe mit einer schrittweisen Verkleinerung der Herrenuhrengehäuse in Richtung „Midsize“. Großformatige Uhren in femininer Optik schafften eigentlich erst am Beginn des dritten Jahrtausends ihren Durchbruch. Sie werden uns auch noch länger erhalten bleiben, doch auch in der Uhrenwelt gibt es längst kein Modediktat mehr. Etliche Strömungen laufen parallel und ermöglichen der Kundin, das für sie Passende zu wählen.

Weiblichkeit neu interpretiert

Einerseits orientiert sich die Uhrenmode natürlich an der Haute Couture, andererseits bedienen sich die Uhrenmarken auch eigener historischer Inspirationsquellen und verbinden beide Welten zu zeitgeistigen Kreationen. Im hochwertigen Segment gibt es kaum kurzlebige Trends, dennoch überraschen die Hersteller jedes Jahr wieder mit neuen Modellen, die erstaunlich gut mit der aktuellen Mode harmonieren. Grundsätzlich sind – endlich – wieder betont weibliche Designs gefragt. Diamanten oder Swarovski-Steine im günstigeren Produktsegment sind allgegenwärtig. Kleine, zierliche Uhren finden sich neuerdings in den Kollektionen der meisten Anbieter wieder, zur Freude aller Frauen, die großformatigen Zeitmessern nichts abgewinnen können. Kurz und gut: Beides ist erlaubt, beides ist trendy – entscheidend ist nur der persönliche Stil der Trägerin und natürlich der Anlass. Alltagsuhren haben zur Abendrobe einfach nichts verloren. Sofern keine Schmuckuhr zur Hand, geht frau besser ohne tickendes Handgelenksaccessoire auf den Ball oder in die Oper.

Sehr stark sichtbar ist inzwischen auch das Comeback der Bicolor-Uhren. Sie korrespondieren perfekt mit den Materialmix-Trends der Modewelt. Nachdem die einst so dominanten Stahl/Gold-Modelle fast zwei Jahrzehnte lang fast gänzlich aus den Uhrenkollektionen verschwunden waren, sind die praktischen Material-Kombinationen nun unter der Bezeichnung „Two-Tone“ wieder da. Zuerst wurde aufgrund der rosé-dominierten Schmuckmode die Kombination von Rotgold und Edelstahl bzw. Weißgold en vogue, seit kurzem kommt auch das altbewährte Gelbgold zu neuen Ehren – meist in neuen, etwas dezenteren Tönungungen als anno dazumal. Two-Tone-Uhren sind extrem kompatibel, lassen sich zu jedem Schmuck tragen, wirken tagsüber nicht zu elegant und abends nicht zu sportlich. Top-aktuelles Beispiel: Die neue Omega Constellation Manhattan Collection bietet alle Varianten: von Massivgold über Two-Tone – sowohl mit Roségold als auch mit Gelbgold – und in Edelstahl pur, mit und ohne Diamantbesatz! Wer die Wahl hat, hat das Vergnügen… beim Gustieren und Anprobieren anlässlich des nächsten Juwelierbesuches.

Golden Diva: Nicole Kidman mit ihrer Omega Constaellation manhattan Two-Tone.

  

© Omega

  

© Tudor und Alpina

Mechanik für Damen

In Österreich gibt es immer mehr echte Uhrenliebhaberinnen, die sich nicht nur für „Oberflächlichkeiten“ interessieren. Während technisch interessierte Damen früher vorwiegend zu Herrenmodellen greifen mussten, bieten die Hersteller nun auch mechanische Uhren in femininer Optik an. Damenmodelle der anspruchsvollen Kategorie, mit Komplikationen wie Mondphase, Ewigem Kalender oder gar Tourbillon, sind zwar immer noch eine Seltenheit, doch das sukzessive steigende Angebot weckt beim weiblichen Publikum mehr und mehr das Interesse an feinen mechanischen Uhren. In diesem Zusammenhang bietet der ghostwriter österreich eine wertvolle Unterstützung beim Verfassen von akademischen Arbeiten über die Komplexität und Schönheit der Uhrmacherei. Und weil Nachfrage wiederum Angebot schafft, beschäftigen sich inzwischen die besten Uhrmacher der Welt mit der Kreation von luxuriösen Damenuhren.

Achtung Suchtgefahr: Wer einmal ein mechanisches Uhrwerk getragen, seinem Ticken gelauscht oder gar die präzise Arbeit eines fein dekorierten Uhrwerks durch den transparenten Gehäuseboden beobachtet hat, möchte diesen Aspekt der Zeitmessung ohnehin nicht mehr missen.

  
  

© Baume & Mercier, Jaeger-LeCoultre und Frederique Constant